Die Landwirtschaft im Wandel der Zeit 

von Kurt Kiermeier

 

  Weinbau

 

Der Weinbau spielte in Waibstadt früher eine große Rolle. Es gab zwar genügend Obstbäume auf der Gemarkung, doch scheint es eine Selbstverständlickeit gewesen zu sein, einen Weinberg zu besitzen. Der Weinbau wurde von den Römern an den Oberrhein mitgebracht und von den Alemannen und Franken beibehalten.

Er wurde an den Hängen des Herrgottsbergs, Weißenbergs, Kühnbergs, Pfarrbergs, Altenbergs, Eichelbergs, Fliehbergs, Eichhölzels, Drätschenbergs und im Sinsheimer Wingert angepflanzt. Negative Einwirkungen auf den Weinanbau hatte die Reformation sowie der dreißigjährige Krieg.

 

Da jedoch das Klima für den Weinanbau ungünstig war, konnte man nur alle 10 Jahre mit einem guten Herbst rechnen. Zur Zeit der Weinlese sammelten zwei Zehntknechte mit Bütten auf den Rücken in den einzelnen Distrikten die Zehnttrauben ein. Dabei mussten sie warten, bis einzelne Winzer eine Fuhre hatten, worauf sie ein Bütte mitnahmen. Die Zehntherren waren mit dieser Ordnung nicht zufrieden, da sie ihrer Auffassung nach zu kurz kamen und angeblich nur 1/15 oder 1/16 erhielten. Deshalb traf man 1717 die Regelung, die Zehnteinsammlung an den Toren vorzunehmen. Hierbei dienten zwei städtische Keltern zum Auspressen des Weines. Über Erträge liegen keine genaue Angaben vor. Wenn der durchschnittliche Weinzehnt des Schulrektor etwa 1 Zuber (ca. 6 hl) betrug, so kann man, da ihm nur 1/8 Weihnzehnt zustand, den Gesamtweinertrag auf einige hundert Hektorliter annehmen.

Im Leben der Stadt spielte der Wein eine gewichtige Rolle, denn dieser musste bei verschiedenen Anlässen pflichtgemäß gereicht werden, was die harten Gegensätze des Lebens ohne Zweifel milderte. Bei jeder Hochzeit erhielt der Geistliche ein Maß Wein. Die städtischen Beamten (Anwalt, Bürgermeister, Schließer, Nordinger) bekamen an Festtagen den Martiniwein.

Jeder größere kauf wurde mit Wein besiegelt. Das brachte bei den Jahrmärkten fröhliche Gemütlichkeit in das Städtchen. Im Jahre 1716 ordnete sich der Stadtschreiben Stumpf soviel Ohm Wein an, als Zuber auf der städtischen Kelter gekeltert würden mit dem Hinweis, dass es ganz absonderlich wäre, wollte man ihm zumuten, Wasser zu trinken.

Rebschädlinge und Krankheiten verbunden mit dem ungünstigen Klima ließen den Weinanbau in Waibstadt zu Beginn unseres Jahrhunderts auf minimale Flächen zurückgehen. Ob sich der Weinanbau tatsächlich nicht mehr gelohnt hat oder ob sich das Roden mit der verbesserten Dreifelderwirtschaft und dem Kleeanbau zusammenhängt, muß dahingestellt bleiben.  

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