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Die Landwirtschaft im Wandel der Zeit |
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von Kurt Kiermeier
Gegen
Mitte des 18.Jahrhunderts setzten sich in Süddeutschland zwei geistig
– weltanschaulich Strömungen durch, nämlich die Aufklärung und
die aus Frankreich stammenden physiokratischen Gedanken. Nach ihnen
hat die Landbevölkerung genauso Anspruch auf Menschenwürde wie der
Adel, die Geistlichkeit und Stadtbevölkerung. Denn nach diesen
Gedanken ist der Ackerbau Urquell sämtlichen Reichtums eines Landes. Dies
wurde außerdem durch eine rasch anwachsende Bevölkerung begünstigt.
Wahrscheinlich war dies der Anstoß für die damaligen Regierungen und
Gemeinden, von der bis dahin bekannten Dreifelderwirtschaft abzugehen
und die Brachfläche mit Klee und Hackfrüchten wie Kartoffeln und Rüben
zu bebauen. Diese bisher nicht bekannte Futtergewinnung ermöglichte
die Stallfütterung des Viehs und machte den Viehhirten überflüssig.
Der einzelne Bauer konnte nun sogar genügend Mist ansammeln und seine
Äcker düngen. Hierdurch konnte die Ernteerträge verdoppelt bis
verdreifacht werden. Diese
Einführung der Stallfütterung bedingt durch den Kleeanbau war eine
revolutionäre Entwicklung in der Landwirtschaft. Ob diese Neuerung
vor 250 Jahre mit Begeisterung angenommen wurde, sei dahingestellt.
Denn diese Einführung der verbesserten Dreifelderwirtschaft zwang die
Bauern zu erheblicher Mehrarbeit. Genaue Angaben über die Auslastung
der Bauern im Mittelalter liegen uns leider nicht vor. Dies neue Art
der Bewirtschaftung der Brachfelder hatte das tägliche Mähen des
Klees und Heimfahren des Futters, das Misten des Stalles und das längere
Melken bedingt durch höhere Milchmengen zur Folge. Außerdem musste
der Mist auf die Felder geführt und eingepflügt werden. Dies
bedeutete alles in allem eine erhebliche Mehrarbeit, so dass man in
gewisser Hinsicht verstehen konnte, dass sich viele Bauern gegen die
Stallfütterung wehrten. Wahrscheinlich war es auch bei einigen
Waibstadter Bauern erstrebenswerter, mit geringeren Erträgen zu
leben, als mit wesentlich höherem Arbeitsaufwand die Erträge zu
steigern und hieraus den „Zehnten“ an die Obrigkeit abzugeben. Solange
das Vieh nur auf Wiesen, Wegrändern und Rainen weiden konnte, konnte
von Viehzucht keine Rede sein. Denn diese Futtermenge reichte nicht
aus, die geringe Zahl an Zugvieh richtig zu füttern, geschweige denn
weiteres Vieh im Stall zu halten. Durch
den Mangel an Vieh konnte kein gesegneter Ackerbau betrieben werden,
da Dünger als Grundlage fehlte. Für den Kraichgau wird auch gegolten
haben, was 1804 ein Mannheimer Schriftsteller schrieb: „Welch elende
Öchslein, welch kleine und unansehnliche Pferde hatten die Odenwälder,
wenn sie zu Stadt kamen, vor ihren Fuhrwerken.“ Eine
Zusammenstellung aus dem Jahre 1664 gibt einen Einblick in den dürftigen
Bestand an Großvieh. Pferde
82 Stück Kühe
92 Stück Schafe
294 Stück Dieser
Tierbestand wurde von 80 bäuerlichen Familien gehalten. Die große
Zahl der Pferde erklärt sich aus einer Anordnung des Bischofs Lothar
Friedrich Freiherr von Metternich (1652 – 1675) nach der jeder
Bauer, der dazu in der Lage war, Pferde zu halten hatte. Auffallend
ist der geringe Bestand an Großvieh, welcher bereits erläutert
wurde. Im
Jahre 1925 zählte man in Waibstadt folgenden Tierbestand: Pferde
88 Stück Rinder
573 Stück Schweine
742 Stück Ziegen
207 Stück Dieser
Bestand befand sich in 438 landwirtschaftlichen Betrieben. Viehhaltung Neben dem intensiven und bedeutenden Ackerbau wurde in Waibstadt auch eine aktive Viehzucht betrieben. Neben Schafen, Ziegen und Schweine war die Rinderhaltung lange Zeit das wichtigste Glied in der Viehwirtschaft. Die Rinder lieferten den notwendigen Stalldünger, welcher für eine intensive Landwirtschaft unerlässlich war. Außerdem wurden sie als Zugtiere eingesetzt. Ebenso waren die Muttertiere für die Nachzucht und Milchgewinnung von großer Bedeutung. Die überschüssige Milch wurde an die Molkerei abgegeben. Tierbestände in
Waibstadt Rindviehhaltung
Schweinehaltung
Angabe in Stück
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