Die Landwirtschaft im Wandel der Zeit 

von Kurt Kiermeier

 

Die Schäferei

 

Seit alters her hatte Waibstadt eine Schäferei. Die jeweiligen Pächter konnten eine bestimmte Anzahl von Schafen halten, mussten aber gleichzeitig die Schafe einzelner Bürger mit auf die Weide treiben, deren Zahl im Laufe der Zeit stets kleiner wurde. Aus einem Pachtvertrag vom Jahre 1726 ist folgendes wiedergegeben:

 

Anwalt, Bürgermeister und Rat verpachten die gemeine Schäferei und deren Weide auf 10 Jahre dem „ehrsamen und bescheidenen Johann Gg.Kantzler aus Bruchsal“ unter folgenden Bedingungen. Der Pächter hat für die 10 Jahre 1580 Gulden und zwar sofort in bar 1500 Gulden und den Rest in jährlichen Raten zu zahlen. Die Stadt stellt ihm das Schafhaus und den Gartenplatz dabei, sowie zwei Äcker auf der Steigen, die Steingruben genannt, die Bürgermeister Bedenheimer für die Stadt vom Adam Hönner und Peter Loht erkaufte, zur Verfügung. Der Beständer soll die Weide mit nicht mehr als 450 bis 500 Stück Schafen betreiben. Diejenigen der Bürger soll er, so gut dies möglich ist mitnehmen. Gras- und Krautgärten sowie Weinberge darf er nicht befahren, die Wiesen nicht länger als 4 Wochen vor Georgi Tag (23.April), die Ernte und Winterstupfel erst nach Bartholomäi (24.August). Doch kann ihm der Bürgermeister gestatten, nach langem Winter die Wiesen noch länger zu befahren. Wälder und junge Schläge hat er ganz zu meiden. Der Stadt hat er 4 Morgen Acker zur Winterfrucht und 2 Morgen zur Sommerfrucht zu pferchen. Bei Übertretungen der Feldpolizei soll er mit 3 Pfund Heller bestraft werden. Wenn er durch einen ausbrechenden Krieg verhindert wäre, die Weide durchzuführen, soll er die ausfallenden Jahre nachholen.

 

Im Jahre 1791 forderten die Bürger die Aufhebung der Schäferei. Doch wollte dir fürstliche Regierung die Genehmigung wegen Ausfall der Einnahmen nicht erteilen, und der Rat schloss sich dieser Auffassung an. Man setzte der Bürgerschaft die Gründe auseinander, warum man die Schäferei weiter verpachte. Da entstand in der Bürgerversammlung ein Tumult und es wurden sehr würdelose Bemerkungen laut, wie die „der Rat könne einer Kuh vorstehen, aber keiner Stadtgemeinde“. Die Bürger wollten keine Schäferei mehr, da die Schafe an den besäten Feldern großen Schaden verursachten und Kleefelder und Waldungen verwüsteten. Die Strafgelder seinen ohnedies sehr gering. Die Stadt könne wohl 100  Gulden verlieren, weil der Schaden der Schäferei größer sei. Von 228 Bürger stimmten 154 für die Abschaffung. Das bedeutete vorübergehend das Ende der Schäferei, die allerdings 1813 wieder errichtet wurde und bis um die Mitte des 19.Jahrhundert bestand, wo sie der intensiven Landwirtschaft endgültig zum Opfer fiel. 

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